Yamaha TT600 36A-59X-3SW


Die Yamaha TT600 der Serien 36A|59X|3SW – Der Hardenduro-Dampfhammer für schweres Gelände

Vorgeschichte

Anfang der 1980er-Jahre erweiterte Yamaha sein bestehendes Sortiment um sportliche Gelände-Modelle parallel zur etwas schwereren und auch straßentauglicheren XT600-Reihe. Den Anfang machte 1983 die Baureihe Yamaha TT600 36A. Ihr folgte kurz darauf die modifizierte Version Yamaha TT600 59X, die bis ca. 1988 gebaut wurde. Die letzte Evolutionsstufe bildete die bis etwa 1992 produzierte Variante Yamaha TT600 3SW. Alle drei Versionen waren gewichtsreduzierte Offroad-Maschinen für schweres Terrain und den Wettbewerb. Da diese Yamaha TT600 Modellreihe in Deutschland nie regulär im Händlernetz angeboten wurde, kamen alle hiesigen Fahrzeuge über den grauen Importmarkt ins Land.

Vorgängermodelle

Die konzeptionellen Wurzeln der Yamaha TT600 liegen in den Offroad-Konstruktionen der 1970er-Jahre. Als direkte Ahnin gilt die ab 1976 vorrangig für Nordamerika gebaute Yamaha TT500, die als reine Sportversion der XT500 auf den Markt kam. Dieses puristische Modell ohne Straßenzulassung setzte mit geringem Gewicht und optimierter Geometrie neue Maßstäbe im Geländesport.

Design und Technik

Die Modellgenerationen spiegeln eine kontinuierliche technische Entwicklung wider. Während die Yamaha TT600 36A im Jahr 1984 vorn noch eine klassische Trommelbremse wie die TT500 besaß, erhielt die Nachfolgerin Yamaha TT600 59X eine Einkolben-Scheibenbremsanlage und Geometrieänderungen für mehr Agilität. Mit der Version Yamaha TT600 3SW folgten schließlich die letzten Anpassungen der Serie. Diese umfassten eine Doppelkolben-Bremszange am Vorderrad, exakter justierbare Dämpfer sowie ein neues Tankdesign samt weiß lackiertem Rahmen. Technisch einte alle drei Generationen der Yamaha TT600 eine minimalistische, batterielose 6-Volt-Elektronik sowie erstklassige Kayaba-Fahrwerkskomponenten. Das Monocross-System garantiert einen Federweg von 270 Millimetern am Hinterrad, während die Vordergabel stolze 300 Millimeter bereitstellt.

Besonderheiten

Gezielte Modifikationen erweitern den Einsatzzweck dieser kompromisslosen Enduros erheblich. Beliebte Umbauten für die Yamaha TT600 sind die Umrüstung des Bordnetzes auf 12 Volt sowie der Einbau einer Hinterradnabe mit integriertem Ruckdämpfer der XT600. Dadurch wandeln sich die langhubigen Klassiker mit dem charakteristisch dumpfen Klang ihres 595-ccm-Einzylinders in extrem agile, alltagstaugliche Straßen-Sportgeräte. Ihr seltener Auftritt sorgt im heutigen Straßenbild verlässlich für Aufsehen.

Probleme

Der radikale Verzicht auf Komfort fordert im Alltag Tribut. Die nicht ruckgedämpfte Hinterradnabe belastet das Getriebe der Yamaha TT600 massiv, was oft zu Materialausbruch (Pitting) am Zahnrad des fünften Ganges führt. Das minimalistische 6-Volt-Bordnetz kämpft im Alter mit thermischen Defekten an den Lichtmaschinenspulen, was Zündaussetzer verursacht. Zudem werden die Ansaugstutzen des Vergasers spröde und ziehen Falschluft, wodurch das Gemisch gefährlich abmagert. Eine vernachlässigte Ölstandskontrolle des Trockensumpf-Systems kann rasch zu irreparablen Schäden an Nockenwelle und Zylinderkopf führen.

Nachfolgemodelle

Nach dem Produktionsende der Ur-Reihe übernahm ab 1993 die in Italien bei Belgarda montierte Yamaha TT600S (Typ 4GV) di Führung. Sie kam mit moderner Upside-Down-Gabel und einem 12-Volt-Bordnetz. Später folgte die komfortablere Variante TT600E mit elektrischem Anlasser. Zum Abschluss der Historie kehrte man 1998 mit der puristischen TT600R (Typ DJ01) noch einmal zu den kompromisslosen Offroad-Wurzeln zurück, indem das Modell wieder rein per Kickstart gestartet wurde und ein hochwertiges Öhlins-Federbein erhielt.

Fazit

Jahrzehnte nach der Markteinführung sind die seltenen Baureihen Yamaha TT600 36A, Yamaha TT600 59X und Yamaha TT600 3SW begehrte Raritäten auf dem Oldtimer-Markt. Gut erhaltene oder originalgetreu und fachkundig restaurierte Fahrzeuge stellen heute einen echten historischen Gegenwert dar. Die ungebrochene Faszination dieser puristischen Einzylinder-Maschinen resultiert aus ihrer unverfälschten kompromisslosen Auslegung rein auf Geländesport, die im Segment moderner, elektronisch unterstützer Motorräder kaum noch zu finden ist.



Bildergalerie Yamaha TT600 3SW

Die hier abgebildete TT600 3SW hat der Inhaber von Motorradteile Schröder Plaggenburg, Michael Schröder, für sich im Wesentlichen mit einer 12V Elektrik ausgerüstet, den Motor samt notwendiger Anbauteile auf Anlasser getauscht (Basis ist ein Motor der TT600RE) und das Hinterrad auf Ruckdämpfung geändert.