Yamaha XT600 2KF 2NF


Die Yamaha XT600 2KF und 2NF - bildschöne ausgereifte Ur-XT | Die letzte vor dem Rotstift

Sie begeistert bis heute Liebhaber klassischer Enduros – und das nicht ohne Grund. Sie ist bildschön, verhältnismäßig leicht, absolut geländetauglich, technisch ausgereift und schafft mühelos den Spagat zwischen Offroad-Abenteuer und Alltagstauglichkeit. Für Kenner ist sie DIE letzte echte XT, bevor an den Nachfolgemodellen der Rotstift angesetzt wurde.

Zur Vorgeschichte

Zu Beginn der 1980er-Jahre waren leichte, geländegängige Motorräder stark im Kommen. Sie sollten jedoch gleichzeitig alltagstauglich und zuverlässig sein. Die legendäre XT500, die bereits seit 1976 gebaut wurde, hatte einen wahren Viertakt-Boom bei den Einzylindermaschinen ausgelöst. Die Entwicklung stand nicht still, und auch die Konkurrenz war nicht frei von Innovationsdrang.

Die Vorgänger

Nach dem kurzen Debüt der Yamaha XT550 (gebaut von 1982 bis 1983), die bereits ein zentrales Federbein und das grundlegende Motorkonzept der späteren XT600-Generationen besaß, folgte die XT600 (Typ 43F, gebaut von 1984 bis 1986) als direkter Vorgänger der 2KF bzw. 2NF, welche von 1987 bis 1990 gebaut wurde. Bereits ein Jahr früher startete die Reise der Fernreise-Variante: die XT600Z Ténéré (Typ 34L und 55W). Beide Ur-Modelle verfügten über eine leichte Aluminiumschwinge im Monocross-System, ein überarbeitetes Fahrwerk und den charakteristischen Rechteckscheinwerfer samt Lampenmaske, der das neue Design einläutete. Die XT600 43F war zwar extrem leicht, hatte jedoch einige thermische und mechanische Schwachstellen, die durch den Nachfolger konsequent gelöst wurden.

Technik und Design

Die neue Yamaha XT600 2KF (und die werkseitig gedrosselte 2NF) wirkte von Grund auf neu designt. Die Linienführung war flüssiger, ohne den robusten Offroad-Look zu verlieren. Seitenteile, Lufthutzen, der neue 13-Liter-Tank und die Sitzbank fügten sich wie aus einem Guss zusammen.

Auch technisch tat sich viel: Der Vergaser wurde überarbeitet und am Hinterrad verzögerte nun eine moderne Scheibenbremse statt der alten Trommelbremse. Die Aluminiumschwinge wurde durch eine stabilere Stahlschwinge ersetzt, was zwar das Gesamtgewicht leicht erhöhte, aber für enorme Verwindungssteifigkeit sorgt. Der Motor erhielt wesentliche Verbesserungen hinsichtlich Kühlung und Standfestigkeit: Der neue Zylinderkopf (Kennung 2KF) und der Zylinder (Kennung 3AJ) boten größere Kühlrippen und eine optimierte Ölversorgung, was thermische Probleme der Vergangenheit angehören ließ. Zudem rollte die 2KF noch auf hochwertigen schönen goldenen Aluminium-Felgen.

Besonderheiten

Bei der XT600 2KF hieß es: Wer schön sein will, muss kicken. Eine Version mit E-Starter wurde nicht angeboten; gestartet wurde ausschließlich per Kickstarter. Die in Deutschland ausgelieferte Variante hatte einen Gepäckträger, während für den übrigen Markt eine kleine Werkzeugtasche anstelle des Gepäckträgers verbaut wurde. Die Getriebewellen wurden von Grob- auf Feinverzahnung umgestellt, was sich leicht am passenden Kettenritzel erkennen lässt. Ab dem Baujahr 1989 war das Motorgehäuse grau lackiert und die Zylinderkopfschrauben wurden für eine noch bessere Standfestigkeit modifiziert. Mit 255 mm Federweg vorne und 235 mm hinten war sie im Gegensatz zu ihren Nachfolgern noch eine echte Hard-Enduro. Parallel wurde die Variante 2NF angeboten, die ab Werk auf 27 PS gedrosselt war, um der damaligen Versicherungsklasse und den Führerscheinregeln gerecht zu werden.

Bekannte Schwachstellen

Trotz aller Nehmerqualitäten gab es Schwachpunkte: Das Getrieberadpaar des 5. Ganges neigte aufgrund mangelnder Schmierung bei untertouriger Dauervolllast zu Pittingbildung (was bei späteren Modellen durch eine zusätzliche Ölleitung behoben wurde). Die originale Auspuffanlage war extrem rostanfällig. Zudem erfordern die Ölkontrolle und der Ölwechsel (Trockensumpfschmierung) genaues Arbeiten nach Handbuch – ein falscher Ölstand kann schnell zu Motorschäden führen. Auch werden die Ansaugstutzen im Alter porös, was zu Falschluft und einer gefährlichen Abmagerung des Gemischs führt. Wer diese Punkte im Blick behält, besitzt jedoch ein Vorbild an Zuverlässigkeit.

Die Nachfolger

Im Jahr 1990 wurde die Yamaha XT600 2KF durch die Typen 3TB und 3UW abgelöst. Diese boten zwar den von vielen Kunden lang ersehnten E-Starter, wurden von Puristen jedoch oft als weichgespült kritisiert. Die Nachfolger waren spürbar schwerer, besaßen gekürzte Federwege, günstigere Stahlfelgen und waren primär für die Straße konzipiert. Der Rotstift zeigte sich anfangs sogar im fehlenden Drehzahlmesser (der später wiederkehrte). Das neue, sehr farbenfrohe, ja poppige Design der 90er-Jahre ließ den klassischen Offroad-Charakter vermissen. Dennoch wurde auch die 3TB ein großer kommerzieller Erfolg für Yamaha.

Fazit

Die Yamaha XT600 2KF bzw. 2NF gilt für viele Fans bis heute als die letzte „echte“ klassische Offroad-XT. Ihre gelungene Optik, das spielend leichte Handling auf der Straße sowie im harten Gelände und ihre uneingeschränkte Alltagstauglichkeit machen sie legendär. Heute ist sie ein begehrtes, wertstabiles und wunderbar fahrbares Sammlerobjekt, das zunehmend auch von einer neuen, jüngeren Generation von Enduro-Enthusiasten entdeckt wird.



Bildergalerie Yamaha XT600 2KF 2NF

Die weiß-rote XT600 2KF stammt aus der Sammlung von Michael Schröder, dem Inhaber von Motorradteile Schröder Plaggenburg, und wurde im Zuge einer fachkundigen Restauration auf E-Start unter Verwendung eines 3AJ Motorblocks samt notwendiger Peripherie umgebaut.

Ein herzliches Danke geht an Tim Geweke, der mir einige Bilder seiner schönen blauen XT600 2KFs überlassen hat... Danke Dir Tim!!