Yamaha XTZ750 3LD Super Ténéré

Die Yamaha XTZ750 Super Ténéré 3LD – Das hubraumstarke Zweizylinder-Flaggschiff mit purer Dakar-Dominanz

Die Yamaha XTZ750 Super Ténéré (Typ 3LD) ist eine wahre Ikone unter den schweren Reiseenduros der späten 1980er- und 1990er-Jahre. Gebaut von 1989 bis 1996, war sie Yamahas Antwort auf den Trend zu großvolumigen, geländetauglichen Fernreisemotorrädern. Mit ihrem revolutionären Parallel-Twin-Konzept und der kompromisslosen Rallye-Optik brachte sie echtes Wüsten-Feeling auf die Straße und setzte neue Maßstäbe in Sachen Performance und Langstreckentauglichkeit auf jedem Untergrund.

Zur Vorgeschichte

Ende der 1980er-Jahre hatte sich die Rallye Paris-Dakar zum ultimativen Härtetest entwickelt. Die Geschwindigkeiten in der Wüste stiegen rasant, Einzylinder stießen an ihre Leistungsgrenzen. Um den Gesamtsieg in Afrika zu sichern, entwickelten die Hersteller komplexe Zweizylinder-Werksrennmaschinen. Yamaha drängte mit der legendären YZE750T nach vorn – und die Fangemeinde forderte lautstark ein adäquates Serienpendant.

Vorgänger

Bis dahin war die Ténéré-Welt fest in der Hand robuster Einzylinder der Modelle Yamaha XT600Z Ténéré 34L/55W, Yamaha XT600Z Ténéré 1VJ und der Yamaha XT600Z Ténéré 3AJ. Obwohl wüstenerprobt, fehlte diesen Modellen voll beladen die nötige Laufruhe und Leistungsreserve. Die Werksenduro YZE750T übernahm daher direkt technische Komponenten wie das Triebwerk und den Rahmen der XTZ750 und modifizierte diese für den harten Rallye-Einsatz.

Technik und Design

Im Jahr 1989 präsentierte Yamaha die XTZ750 Super Ténéré als optisches und technisches Ausrufezeichen. Das Design mit der im Rahmen montierten Doppel-Scheinwerfer-Front und dem mächtigen 26-Liter-Kraftstofftank orientierte sich an den Dakar-Werksrennern des Sonauto- und Belgarda-Teams. Die ausladenden Verkleidungsteile boten besten Windschutz und bildeten eine fließende Linie mit der komfortablen Sitzbank.

Das technische Herzstück war eine absolute Neuentwicklung: Ein flüssigkeitsgekühlter Parallel-Zweizylindermotor mit Fünfventil-Technik (drei Einlassventile und zwei Auslassventile), basierend auf der Genesis-Basis der vierzylindrigen Yamaha FZ750. Für optimale Balance im Gelände sorgte vorn eine Telegabel mit 43 mm Standrohrdurchmesser und 235 mm Federweg, während hinten das Monocross-System mit einem Federbein mit 215 mm Federweg samt Deltabox-Stahlschwinge arbeitete. Die Bremsanlage war für damalige Verhältnisse bahnbrechend: Eine Doppelscheibenbremse am Vorderrad und eine Einzelbremsscheibe am Hinterrad – kombiniert mit Doppelkolben-Bremssätteln – waren ein Novum in dieser Fahrzeugklasse.

Besonderheiten

In der offenen Version leistete das agile Zweizylinder-Triebwerk stolze 69 PS und ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 180 km/h. Für den deutschen Markt wurde die Maschine oft über verengte Ansaugstutzen auf 50 PS gedrosselt. Das extrem robuste Fahrwerkslayout ließ trotz des stattlichen Gewichts (fahrbereit über 230 kg) ambitionierte Offroad-Einlagen in Sand und Schotter zu.

Nach dem Erscheinen der hubraumstärkeren 850er-Triebwerke etablierte sich in der Szene ein beliebter Umbau: Viele Fahrer tauschten den originalen Zylinderkopf und Rumpfmotor gegen das 850-ccm-Aggregat einer TDM 850 (Typ 3VD/4TX) oder TRX 850 aus, um der Super Ténéré spürbar mehr Drehmoment aus dem Drehzahlkeller zu verleihen.

Technische Schwachstellen

Obwohl die 3LD als extrem langlebig gilt, offenbarten die frühen Modelljahre einige Schwachstellen, die beim Kauf von Gebrauchtteilen und bei Restaurationen im Fokus stehen:

  • Laderegler / Spannungsregler: Die ungerippten Regler der Erstserie überhitzen chronisch. Abhilfe schafft die Umrüstung auf einen modernen, gerippten Regler/Gleichrichter.
  • Vergaserverschleiß: Verschlissene Düsennadeln des Mikuni BDST38 Vergasers trieben den Verbrauch auf über 8 Liter/100 km. Schweizer Vergaser-Kits (z. B. Kedo) lösen das Problem dauerhaft.
  • Auspuffanlage: Der originale Auspuffsammler unter dem Motor ist extrem rostanfällig. Er wird meist gegen Edelstahl-Komponenten inklusive optimiertem Krümmer und Endschalldämpfer getauscht.
  • Fahrwerk & Bremsen: Die originale Telegabel taucht beim Bremsen stark ein (Upgrade: progressive Gabelfedern). Die vordere Bremse wirkt oft stumpf, weshalb Besitzer meist auf Stahlflexleitungen umrüsten. Zudem müssen Bremsscheiben und die Kolbengängigkeit der Bremssättel regelmäßig geprüft werden.
  • Antrieb & Peripherie: Bei hohen Laufleistungen sollte der Kupplungskorb auf Rattermarken und die Lichtmaschine auf thermische Schäden untersucht werden. Für Wartungsarbeiten empfiehlt sich die Nachrüstung eines stabilen Hauptständers.

Nachfolger

Die Produktion endete 1996 ohne direkten Nachfolger im Hard-Enduro-Segment. Yamaha setzte fortan auf die Einzylinder-Variante XTZ660 Ténéré und die Straßenkonzepte TDM/TRX. Der wahre Geist wurde erst 2010 mit der bulligen XT1200Z Super Ténéré wiederbelebt. Für Puristen bleibt die XTZ750 3LD jedoch das einzig wahre Denkmal der Dakar-Epoche.

Fazit

Die Yamaha XTZ750 3LD Super Ténéré vollzog in aufseheneregender Weise den historischen Schritt vom Einzylinder hin zum leistungsstarken Big-Bike, ohne ihre Offroad-DNA einzubüßen. Originale sehr gut erhaltene und fachlich sauber restaurierte Exemplare – auch im legendären „Chesterfield“- oder „Sonauto“-Design – sind gesuchte Sammlerstücke mit hohem Wertschöpfungspotential und bei Bikertreffen immer ein zuverlässiger Publikumsmagnet.




Bildergalerie Yamaha XTZ750 3LD Super Ténéré

Die hier abgebildete Yamaha XTZ750 3LD Super Ténéré Modelljahr 1989 stammt aus der Sammlung von Michael Schröder, dem Inhaber von Motorradteile Schröder Plaggenburg.